Wiedlisbach bietet die räumlichen Voraussetzungen für ein Demenzdorf – entscheidend ist jedoch die Haltung: Architektur wird nicht als Hülle verstanden, sondern als Teil der Betreuung. Sie strukturiert den Alltag, gibt Sicherheit und ermöglicht Selbstbestimmung. Ziel ist ein Ort, der nicht institutionell wirkt, sondern als vertrauter Lebensraum gelesen wird und damit Würde erhält. Inspiriert von Vorbildern aus Holland wurde das Konzept auf den lokalen Kontext übertragen.
Die Anlage basiert auf der Transformation eines bestehenden Weilers. Vier nahezu identische Neubauten fügen sich in die vorhandene Struktur ein und definieren gemeinsam mit dem Bestand einen geschützten, überschaubaren Raum. Bestehende Gebäude wie das denkmalgeschützte Stöckli und das Wirtschaftsgebäude stärken die Identität und dörfliche Anmutung. Der Aussenraum wird zum zentralen Lebensraum: Plätze, Gassen und Höfe schaffen ein fein abgestuftes Gefüge von Aufenthaltsorten. Die Wege bilden ein zusammenhängendes System ohne Sackgassen und ermöglichen selbstverständliche Bewegung ohne komplexe Entscheidungen. Ein zentraler Hof fungiert als gemeinschaftlicher Mittelpunkt. Nutzungen wie Café, Dorfladen und Coiffeur verankern Alltag im Raum und öffnen das Dorf gezielt nach aussen, ohne den geschützten Charakter aufzugeben.
Die Gebäude übersetzen die Prinzipien des Aussenraums in eine klare Struktur. Die zweigeschossige Organisation reduziert Komplexität und erleichtert Orientierung. Jede Einheit umfasst vier Wohngemeinschaften mit je acht Bewohnerinnen und Bewohnern – eine überschaubare Grösse, die Gemeinschaft ermöglicht, ohne zu überfordern. Der Alltag orientiert sich an vertrauten Mustern wie gemeinsamem Kochen und Leben in kleinen Gruppen. Umlaufende Korridore ohne Sackgassen unterstützen Bewegung und intuitive Orientierung.
Material, Farbe und Oberfläche reagieren auf die Wahrnehmung von Menschen mit Demenz. Kontraste und Farbigkeit fördern Orientierung, vermeiden Reizüberflutung und schaffen eine ruhige, lesbare Umgebung. Die Materialisierung ist zurückhaltend und robust.
Das Demenzdorf versteht Architektur als Beziehung zwischen Raum, Mensch und Alltag – es schafft Sicherheit ohne Kontrolle, Orientierung ohne Überforderung und ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben.